Das Spendenwesen ist eine der ältesten und wichtigsten Formen der Kirchenfinanzierung – älter als die Kirchensteuer und unabhängiger als staatliche Zuwendungen. Doch im Zeitalter des schwindenden Bargelds steht es vor einem historischen Wandel.

Die Kollete – das Spenden im Gottesdienst

Die Kollete (vom lateinischen „collecta" = Sammlung) ist die älteste Form des Spendenwesens in der evangelischen Kirche. Sie wird während des Gottesdienstes gesammelt, meist nach der Predigt oder nach dem Abendmahl. Ein Kirchendiener oder ein Mitglied der Gemeinde geht mit einem Sammelbeutel oder einer Sammeldose durch die Reihen, und die Gemeindeglieder legen ihr Geld hinein.

Die Kollete ist nicht nur eine finanzielle Handlung, sondern auch eine liturgische: Sie wird oft von einem Bibelvers oder einem stummen Gebet begleitet. Das Geben ist Teil der Anbetung – ein Ausdruck von Dankbarkeit und Verantwortung. In der evangelischen Tradition gibt es keinen Zwang zur Spende; die Kollete ist freiwillig. Die Höhe der Spende wird vom Einzelnen bestimmt.

Die gesammelten Gelder werden für verschiedene Zwecke verwendet: In der Regel geht ein Teil an die eigene Gemeinde (für laufende Kosten, Bauunterhaltung, Gemeindearbeit), ein Teil an übergemeindliche Aufgaben (Landeskirche, Diakonie, Mission) und ein Teil für aktuelle Notlagen (Katastrophenhilfe, soziale Projekte). Die Gemeindeleitung – der Kirchenvorstand oder das Presbyterium – entscheidet über die Verteilung.

Der Opferstock – das Spenden außerhalb des Gottesdienstes

Neben der Kollete gibt es den Opferstock – einen festen Behälter am Eingang oder Ausgang der Kirche, in den Besucher jederzeit Münzen oder Scheine einwerfen können. Der Opferstock ist besonders wichtig für Kirchen, die viel besucht werden – Touristen, Besucher von Konzerten oder Menschen, die eine Kirche für stille Andacht aufsuchen, nutzen den Opferstock, um einen Beitrag zu leisten.

In vielen Kirchen gibt es mehrere Opferstöcke mit verschiedenen Spendenzwecken: einer für die Gemeinde, einer für die Diakonie, einer für ein aktuelles Hilfsprojekt. Die Opferstöcke werden regelmäßig geleert und die Einnahmen verbucht. Für viele kleine Gemeinden ist der Opferstock eine unverzichtbare Einnahmequelle, besonders in touristisch genutzten Kirchen, wo die Besucherzahlen höher sind als die Gemeindegliederzahlen.

Spendenaktionen und Sonderkollekten

Über die regelmäßige Kollete hinaus gibt es in der evangelischen Kirche Spendenaktionen für besondere Anlässe. Bei Naturkatastrophen, Kriegen oder humanitären Krisen ruft die EKD oder die Diakonie zu Sonderkollekten auf. Auch für Bauvorhaben – die Renovierung einer Kirche, die Erneuerung der Orgel – werden gezielte Spendenaktionen durchgeführt.

Besonders bekannt sind die Brot-für-die-Welt-Kollekten, die seit 1959 in der evangelischen Kirche gesammelt werden. Diese Aktion der Diakonie unterstützt Entwicklungsprojekte in der ganzen Welt und ist eines der ältesten und bekanntesten Spendenformate in Deutschland. Auch die Aktion „Friedensraum" und die Flüchtlingshilfe der Diakonie werden über Spenden finanziert.

Spendenbescheinigungen und Steuer

Spenden an die evangelische Kirche sind steuerlich absetzbar. Für Spenden bis zu 300 Euro reicht ein vereinfachter Nachweis (Kontoauszug oder Spendenquittung), für höhere Beträge wird eine offizielle Spendenbescheinigung (Zuwendungsbestätigung) ausgestellt. Diese kann bei der Steuererklärung geltend gemacht werden und reduziert die Steuerlast. Für viele Spender ist dies eine zusätzliche Motivation.

Bei bareren Spenden in den Opferstock ist eine Spendenbescheinigung naturgemäß schwierig – der Spender kann nicht nachgewiesen werden. Hier liegt einer der Vorteile der digitalen Spende: Die Transaktion wird automatisch erfasst und kann mit einer Quittung per E-Mail bestätigt werden.

Das Problem: Der Rückgang des Bargelds

Seit Jahren geht die Bargeldnutzung in Deutschland zurück. Laut Bundesbank gab es 2023 erstmals mehr kartengestützte Zahlungen als Barkäufe im Einzelhandel. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend beschleunigt, da viele Geschäfte aus hygienischen Gründen auf kontaktloses Bezahlen umgestellt haben. Junge Menschen tragen oft kaum noch Bargeld bei sich – die Geldbörse wird vom Smartphone ersetzt.

Für Kirchen bedeutet dies ein reales Problem: Die Spendenbereitschaft schwindet nicht – Studien zeigen, dass Menschen nach wie vor bereit sind, für gute Zwecke zu geben. Aber die Gelegenheit, bar zu spenden, wird von vielen nicht mehr genutzt. Wer kein Kleingeld in der Tasche hat, kann nicht in den Opferstock werfen. Wer im Gottesdienst kein Bargeld bei sich trägt, kann nicht an der Kollete teilnehmen. Die Folge: Die Einnahmen aus Kollete und Opferstock gehen zurück – nicht, weil die Menschen weniger geben wollen, sondern weil sie nicht mehr bar geben können.

Dieser Trend trifft Kirchen besonders hart, weil sie jahrhundertelang auf barere Spenden angewiesen waren. Die Infrastruktur – Sammelbeutel, Opferstöcke, Zählung am Montagmorgen – ist auf Bargeld ausgerichtet. Die Digitalisierung der Spenden ist daher nicht eine Frage des Komforts, sondern des Fortbestands einer wichtigen Einnahmequelle.

Digitale Spendensäule mit Touchscreen in einer Kirche

Die digitale Spendensäule

Die digitale Spendensäule ist eine Antwort auf den Wandel der Zahlungsweise. Sie funktioniert wie ein modernes Kartenterminal: Der Spender wählt einen Betrag – oft aus vorgegebenen Stufen wie 2, 5, 10 oder 20 Euro – und hält seine Karte, sein Smartphone oder seine Smartwatch an das Gerät. Die Transaktion wird in Sekunden abgewickelt, und der Spender kann optional eine Quittung per E-Mail erhalten.

Die Spendensäule kann in der Kirche aufgestellt werden – am Eingang, neben dem Opferstock oder in der Nähe der Kanzel. Sie ist so gestaltet, dass sie sich in den historischen Raum einfügt, ohne aufdringlich zu wirken. Die Geräte sind mobil und können auch bei Konzerten, Ausstellungen oder anderen Veranstaltungen eingesetzt werden.

Vorteile der digitalen Spende

Die digitale Spendensäule bietet mehrere Vorteile gegenüber der traditionellen baren Kollete:

  • Erreichbarkeit: Menschen ohne Bargeld können spontan spenden – besonders wichtig für jüngere Generationen und Touristen.
  • Automatische Verbuchung: Die Spenden werden digital erfasst und direkt in die Buchhaltung der Gemeinde übernommen. Kein Zählen von Bargeld, keine Fehlerquellen.
  • Spendenquittungen: Jede Transaktion kann mit einer Quittung per E-Mail bestätigt werden – erleichtert die steuerliche Absetzbarkeit.
  • Flexibilität: Die Spendensäule kann für verschiedene Zwecke konfiguriert werden – für die Gemeinde, für die Diakonie, für Bauvorhaben oder für aktuelle Hilfsaktionen.
  • Sicherheit: Kein Bargeld in der Kirche bedeutet kein Risiko von Einbruch oder Diebstahl.

Kritik und Bedenken

Die digitale Spende stößt nicht bei allen auf Zustimmung. Einige Gemeindeglieder befürchten, dass das „Erlebnis" des Gebens verflüchtigt wird – das hörbare Klirren der Münzen im Sammelbeutel, die physische Geste des Einwerfens, die spirituelle Bedeutung des Opferstocks. Andere weisen auf die Gerätekosten und die Transaktionsgebühren hin, die die Gemeinden belasten.

Diese Bedenken sind ernst zu nehmen. Die Praxis zeigt jedoch, dass digitale und analoge Spendenformate sich ergänzen lassen: Die bare Kollete bleibt bestehen, während die digitale Spendensäule zusätzliche Spender erreicht. In vielen Gemeinden, die digitale Spendensäulen eingeführt haben, sind die Gesamteinnahmen gestiegen – nicht gesunken. Die digitale Spende ersetzt also nicht das traditionelle Geben, sondern erweitert es.

Praktische Umsetzung

Für Gemeinden, die den Schritt in die bargeldlose Spende gehen möchten, haben sich inzwischen mehrere Anbieter etabliert. Eine besonders auf Kirchen spezialisierte Lösung finden Sie auf der Seite spendebox.de. Dort wird ein System zur digitalen Spendenabwicklung vorgestellt, das speziell für Kirchengemeinden, Diakonie und weitere gemeinnützige Organisationen entwickelt wurde. Die Plattform bietet sowohl stationäre Spendensäulen für Kirchen als auch mobile Lösungen für Veranstaltungen und Online-Spendenformulare für die Website der Gemeinde.

Die Entscheidung für eine digitale Spendensäule sollte gemeinsam mit der Gemeindeleitung getroffen werden. Wichtig ist, die Gemeindeglieder über die neue Möglichkeit zu informieren und zu erklären, dass die traditionelle Kollete weiterhin Bestand hat. Die digitale Spende ist ein zusätzliches Angebot – kein Ersatz.

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Auf unserer Startseite finden Sie einen ausführlichen Artikel über den Protestantismus in Deutschland, der auch das Spendenwesen und die Digitalisierung behandelt.

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