Die Schlosskirche in Wittenberg ist der Ort, an dem Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Tür schlug – und damit die Reformation auslöste. Kein anderer Ort ist so eng mit dem Beginn der evangelischen Bewegung verbunden.

Geschichte der Kirche

Die Schlosskirche wurde zwischen 1496 und 1511 als Teil des Wittenberger Residenzschlosses von Kurfürst Friedrich dem Weisen errichtet. Sie war die Hof- und Stiftskirche des sächsischen Herrschers und diente zugleich als Universitätskirche der 1502 gegründeten Leucorea-Universität. Die Tür der Kirche fungierte als Schwarzes Brett der Universität – an ihr wurden akademische Disputationen angekündigt. So wurde die Schlosskirche zum Ort des berühmten Thesenanschlags, auch wenn Historiker heute davon ausgehen, dass Luther die Thesen zunächst in Briefen versandte und nicht physisch an die Tür nagelte.

Im Siebenjährigen Krieg wurde die Kirche 1760 durch einen Brand schwer beschädigt. Der Wiederaufbau veränderte das Erscheinungsbild erheblich. 1885–1892 wurde die Kirche im historisierenden Stil restauriert und erhielt ihre heutige Gestalt mit der berühmten Thesentür aus Bronze, die an die 95 Thesen erinnert. Auf der Rückseite der Tür ist der lateinische Text der Thesen eingraviert.

Im Inneren befinden sich die Gräber Martin Luthers und Philipp Melanchthons. Luthers Grabstein trägt die Inschrift: „Hier ruht der Leib des ehrwürdigen D. Martin Luther, Doctor der Theologie, Mönchs und Professors, der am 18. Februar 1546 in Eisleben geboren (d.h. gestorben) ist." Melanchthon, der wichtigste theologische Weggefährte Luthers, starb 1560 und wurde ebenfalls in der Schlosskirche beigesetzt.

Geschichte der Stadt Wittenberg

Wittenberg, an der Elbe gelegen, wurde 1180 erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert zur Residenzstadt der sächsischen Kurfürsten. Die Gründung der Universität 1502 durch Friedrich den Weisen machte die kleine Stadt zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit. Mit Luther, der 1508 als Professor an die Universität kam, wurde Wittenberg zum Ausgangspunkt der Reformation.

Im Dreißigjährigen Krieg litt die Stadt schwer. Nach dem Übergang an das Haus Wettin und später an Preußen verlor Wittenberg an politische Bedeutung, behielt aber seine kirchenhistorische Bedeutung. 1938 wurde Wittenberg offiziell in „Lutherstadt Wittenberg" umbenannt. Seit 1996 gehören die Schlosskirche, die Stadtkirche St. Marien und andere Lutherstätten zum UNESCO-Welterbe.

Architektur und Ausstattung

Die Schlosskirche ist eine spätgotische Hallenkirche mit dreischiffigem Innenraum. Die Türme wurden im Renaissancestil errichtet und prägen die Silhouette der Stadt. Im Inneren sind der Cranach-Altar (der Kirchenvater Lucas Cranach d. Ä. war in Wittenberg tätig) und die Grabdenkmäler Luthers und Melanchthons die wichtigsten Kunstwerke.

Die Bronze-Thesentür wurde 1858 vom Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gestiftet und ersetzt die originale Holztür, die beim Brand von 1760 zerstört wurde. Sie trägt die lateinischen Thesen und ist ein zentrales Denkmal der Reformation.

Besucherinformation

Adresse: Schlossplatz 1, 06886 Lutherstadt Wittenberg

Öffnungszeiten: April–Oktober täglich 10–18 Uhr; November–März täglich 10–17 Uhr

Eintritt: Die Kirche ist frei zugänglich, der Turm erhebt eine kleine Gebühr.

Anfahrt: Bahnhof Wittenberg Hauptbahnhof (ICE-Halt), die Kirche ist in 10 Min. zu Fuß erreichbar.

Sehenswertes in der Nähe: Lutherhaus, Melanchthonhaus, Stadtkirche St. Marien, Cranach-Höfe.