Die Thomaskirche in Leipzig ist eine der bedeutendsten evangelischen Kirchen Deutschlands – nicht nur wegen ihrer architektonischen Schönheit, sondern vor allem als Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs, der hier 27 Jahre lang als Thomaskantor wirkte.

Geschichte der Kirche

Die Thomaskirche wurde im 12. Jahrhundert als romanische Basilik erbaut und im 15. Jahrhundert zu einer spätgotischen Hallenkirche umgebaut. Sie war die Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts St. Thomas, das 1213 gegründet wurde. Nach der Einführung der Reformation in Leipzig 1539 wurde die Kirche evangelisch – Martin Luther predigte hier im selben Jahr.

Die heutige Gestalt des Innenraums geht weitgehend auf den Umbau von 1884–1889 zurück, als die Kirche im neogotischen Stil umgestaltet wurde. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche restauriert. Eine umfassende Sanierung erfolgte in den 1990er Jahren. Im Jahr 2000 wurde der Altarraum neu gestaltet – mit einem modernen Altar des Leipziger Künstlers Markus Lüpertz.

Weltberühmt wurde die Thomaskirche durch Johann Sebastian Bach, der von 1723 bis zu seinem Tod 1750 als Thomaskantor hier wirkte. Er komponierte hier den Großteil seiner Kantaten, Passionen und Orgelwerke. Bachs Grab befindet sich seit 1950 im Altarraum der Kirche, nachdem seine Gebeine von der Johanniskirche, die im Krieg zerstört wurde, überführt wurden.

Geschichte der Stadt Leipzig

Leipzig, erstmals 1015 urkundlich erwähnt, entwickelte sich im Mittelalter zu einer der wichtigsten Handelsstädte Deutschlands. Die Lage an der Kreuzung der Handelsstraßen Via Regia und Via Imperii machte Leipzig zu einem Messeort von europäischem Rang. Die Universität Leipzig, 1409 gegründet, zählt zu den ältesten Deutschlands.

Im 18. Jahrhundert erlebte Leipzig eine goldene Zeit als Stadt der Musik und des Buchdrucks. Neben Bach wirkten hier Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner. Die Stadt war ein Zentrum der Aufklärung und des Buchhandels – der Leipziger Buchhandel prägte das literarische Deutschland des 19. Jahrhunderts.

1989 wurde Leipzig zum Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution. Die Montagsgebete in der Nikolaikirche und die daraus erwachsenden Montagsdemonstrationen führten zum Ende der DDR. Heute ist Leipzig eine pulsierende Großstadt mit reicher Kultur- und Musikszene.

Thomanerchor

Der Thomanerchor wurde 1212 gegründet und ist einer der ältesten Knabenchöre der Welt. Bach leitete den Chor während seiner gesamten Leipziger Zeit. Bis heute singen die Thomaner jeden Sonnabend und Sonntag im Gottesdienst der Thomaskirche – eine ununterbrochene Tradition von über 800 Jahren.

Besucherinformation

Adresse: Thomaskirchhof 18, 04109 Leipzig

Öffnungszeiten: Täglich 9–18 Uhr (bei Gottesdiensten eingeschränkt)

Motetten: Freitags 18 Uhr und samstags 15 Uhr (Thomanerchor)

Eintritt: Kirche frei; Motettenkarten 5–15 Euro

Anfahrt: S-Bahn Leipzig Wilhelm-Leuschner-Platz, 5 Min. zu Fuß

Sehenswertes in der Nähe: Bach-Museum, Mendelssohn-Haus, Nikolaikirche, Mädler-Passage.